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Brauchtum erhalten - Gemeinschaft pflegen - Neues gestalten

Wie jedes Hobby, kostet die Mitgliedschaft in einer Schützenbruderschaft Zeit und Geld und wie bei jedem anderen Hobby kann man davon mehr oder weniger investieren.

Daher sind die hier aufgeführten „Kosten“ nur Schätzwerte, denn es kommt sehr darauf an, wie man seinen Posten versteht. Wer nach dem Motto lebt „Wer anderen Freude macht, kommt ins Paradies.“, kann schnell ein paar Hunderter mehr los sein - dafür aber auch das Maximum an Spaß für sich und die Schützenbrüder rausholen. Überhaupt sollte man sich nicht so wichtig nehmen und über sich selber lachen können.
Man kann mit etwas Phantasie sehr oft Situationen kreieren, die es dann auch dem Major und Spieß erst möglich machen, seinen Posten zu präsentieren. Es gibt Grenzen, die darf man im Sinn von Glaube, Sitte, Heimat nicht überschreiten - aber je näher man rankommt und der Gegenüber so gerade noch lachen kann - desto besser.

Also Regel Nummer 1 Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps - alles zu seiner Zeit, denn in der Öffentlichkeit sind wir eine Schützenbruderschaft und keine Garde, wo Undiszipliniertheit zum guten Ton gehört, Spaß haben ist aber ausdrücklich gewünscht und erfordert manchmal das ausbrechen aus den Konfessionen.

Grundsätzliche Rangfolge:
König
Minister
General
Major
Fähnrich
Hauptmann
Stabsarzt
Leutnant
General Adjutant
Major Adjutant
Fahnen Adjutant
Spieß
Sanitäter
Grüner.

Böse Zungen behaupten, die jeweiligen Damen die die Offiziere begleiten hätten in Wirklichkeit die Befehlsgewalt. Dem kann man nicht in allen Fällen wiedersprechen…

Man sollte sich bewusst sein, wenn man einen solchen Posten angeboten bekommt, dass es sich um eine Ehrensache handelt und damit gewisse Verpflichtungen verbunden sind.

Gewählt wird man für die Amtsperiode des Schützenkönigs – normalerweise also 4 Jahre. Auch wenn es eigentlich verpflichtend für alle Schützen sein sollte, erwartet man das die Offiziere bei allen Veranstaltungen in Begleitung ihrer Dame teilnehmen. Hinzu kommen auch noch immer ehrenamtliche Tätigkeiten und private Termine – seid euch gewiss, dass pro Jahr bestimmt 20 Termine anfallen – das ist schon ein erheblicher Zeitaufwand. Es gab schon Offiziere die waren der Meinung nach dem Schützenfest müssten sie nicht mehr teilnehmen und von Kränzen und Damenbegleitung hat ihnen auch keiner etwas gesagt. Ich persönlich kann nur jedem raten erst einmal ein eigenes Schützenfest als „Grüner“ mitzumachen, bevor man sich zum Offizier wählen lässt. Es ist dann zwar auch nicht schön, wenn er dann in den „Sack haut“, hat aber keine weitere Auswirkung.

Zusammengefasst:
Offizier ist man 4 Jahre, man benötigt eine Dame die einen zu den zahlreichen Terminen begleitet und beim eigenen Schützenfest eine Kränzergemeinschaft (praktischerweise sollte man in einer Nachbarschaft sein, die kümmern sich um solche Dinge) und ein Quartier in Voesch. Kosten für Offiziersposten 1 bis 2 Gesellengehälter, wovon das meiste beim eigenen Schützenfest gebraucht wird.

Der Schützenkönig:
Dieser Posten wird nicht von der Versammlung gewählt, sondern man wird Schützenkönig in dem man beim „Vogelschießen“ den Vogel von der Stange holt.
Der Schützenkönig ist die Person um die sich nun für 4 Jahre alles dreht – das ist eine enorme Verantwortung, die man sich und seiner Familie damit aufbürdet und sollte wirklich gut überlegt sein. Wer sich nicht absolut sicher ist, den Rückhalt seiner Familie und seiner Schützenbrüder zu haben, sollte es erst gar nicht versuchen, denn man tut sich und den anderen keinen Gefallen.

Bedingt dadurch, dass der Schützenkönig der oberste Repräsentant der Bruderschaft ist, kommen zahlreiche zusätzliche Termine auf ihn zu. Bezirksschießen, Bundesschützenfest, Einkehrtag, Bezirksversammlung, Proklamationen usw.

Neben diesen Schützenterminen ist es darüber hinaus auch üblich sich auch auf Veranstaltungen im Dorf sehen zu lassen, sei es das die Feuerwehr feiert oder St. Martin reitet.

Soviel Aufmerksamkeit gibt es nicht umsonst, ganz im Gegenteil – finanzielle Unabhängigkeit muss gegeben sein. Was ein Kleid für eine Königin kostet kann man im Internet schnell rausfinden, dabei kommt es auch immer auf eigenen Geschmack und Anspruch an, aber die „Erstausstattung“ einer Königin mit allem drum und dran kostet auf einer nach oben offenen Skala schnell mal 2000,00 €. Ballkleid, Cocktailkleider, Schuhe, Handtasche, Friseur, Blumen usw. ich denke hier sollte man nicht sparen, denn es gibt wohl nichts schlimmeres als eine Frau die sich in ihrer Rolle nicht wohl fühlt.

Weitere Posten die richtig ins Geld gehen und oft unterschätzt werden sind zum einen das „Königstisch räubern“ und das Kränzen mit der Nachbarschaft.
Geht man mal nur von 10,00€ pro Flasche Wein aus sind dies alleine für die eine Stunde Königstisch räubern rund 700,00€ an Wein. Dazu kommt noch das Essen mit den Offizieren und die Getränke für ca. 30 Leute. Und das alles in nur einer Stunde.

Einen König zu kränzen ist für jede Nachbarschaft eine Herausforderung. Sowohl an Aufwand als auch an Kosten für Papier und Baumaterial. Jeder und das gilt für alle bei denen Gekränzt wird, ist gut beraten für seine Nachbarschaft zu sorgen und diese Arbeit zu Honorieren - es lohnt sich.
Dazu gehört die Versorgung mit den diversen Getränken und im Anschluss einen sogenannten Kränzerkaffee zu veranstalten, der je nach Posten und Aufwand von einem Grillabend bis zur Abendveranstaltung gehen kann. Es gab Könige, die sind mit dem Trommlerchor die Nachbarschaften abgefahren und haben ein Ständchen bringen lassen - eine tolle Sache, aber nicht zwingend Vorschrift. Unerlässlich ist es natürlich während des Schützenfestes im Zelt immer mal wieder mit einem Tablett zu den Nachbarn zu gehen. An dieser Stelle ein weiterer Tipp: Such dir eine Vertrauensperson, die sich mit den Gepflogenheiten auskennt, man kann sehr schnell viel Porzellan zerschlagen, wenn man im Trubel vergisst mit den diversen Gruppen einen zu trinken. Da man nicht überall sein kann macht so ein Helfer absolut Sinn. Mit deinem Vertrauen und einer Rolle Biermarken ausgestattet, hat er die Aufgabe nach eigenem befinden in deinem Namen Runden zu geben.

Es gibt noch diverse weitere Ausgaben innerhalb der nächsten vier Jahre, die ich nicht alle einzeln aufführen möchte und kann. Es schadet nicht auf den Rat ehemaliger Könige zu hören, keiner wünscht einem etwas Schlechtes. Grob ist man gut beraten, wenn man über ca. 10000 € verfügt die man bedenkenlos ausgeben kann – es geht auch mit weniger und man kann auch viel mehr ausgeben.
Es kommt auch ein bisschen auf die Minister an – manche teilen durch drei, andere lassen den König 50% zahlen, das ist eine Frage der Absprache.
Somit lautet auch der letzte Tipp: Wählt eure Minister mit bedacht. Es ist sehr selten, das jemand Minister werden will, aber es ist der Idealfall.
Oft hört man „wir 3 wollen das machen, wir halten alle drauf einer macht König die anderen Minister.“ Wer nun glaubt dies sei die beste Lösung irrt sich. Es gibt bei dieser Konstellation nämlich zwei 2.Plätze und die müssen das erstmal überwinden. Es ist nicht so einfach so nah dran gewesen zu sein aber nun quasi keinerlei Aufmerksamkeit zu bekommen. Selbst der Major wird von der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen und hat weniger Kosten. Zudem holt man sich selber Konkurrenz an die Schießstange, die man, wenn man ernsthaft König werden will - dort lieber nicht haben möchte, insbesondere, wenn dabei herauskommt das es einen selber trifft dann Minister machen „zu müssen“.

Der Minister:
Auch diese Posten werden nicht gewählt sondern vom König ernannt.
In meinen Augen ein kostspieliger Freundschaftsdienst.
Es gibt eigentlich nur wenige Gründe Minister "werden zu wollen".
Einer ist, das man schon König war. Ein weiterer ist das man nicht im Mittelpunkt stehen will, aber gerne mal auf dem Königsthron sitzen möchte. Der letzte Grund ist das man einem Schützenbruder hilft seinen Traum vom Schützenkönig zu erfüllen. Auf wen das genannte nicht zutrifft sollte lieber versuchen selber König zu werden.
Wer sich auf ein sogenanntes „Ausschießen“ einlässt und es nicht schafft, hat sich damit abzufinden und zu seinem Wort zu stehen. Dann heißt es durchatmen und die Rolle bestmöglich ausfüllen. Jedes Nachkarten sorgt nur für schlechte Stimmung und damit tut man keinem einen Gefallen – vor allem sich selber nicht. Macht einfach das Beste draus. Es hat Konstellationen gegeben die haben dies super hinbekommen und die Zeit für alle unvergesslich gemacht. Vom Aufwand und den Kosten her unterscheidet sich der Posten nicht wesentlich von dem des Schützenkönigs.

Offizierskorps:
Zu allen Posten gehört in unserer Bruderschaft Damenbegleitung also benötigt man entsprechende (Ball-)Kleider, Blumen usw.
Es ist üblich, wenn wir zu Veranstaltungen gehen der Rangfolge nach eine Runde zu geben. Für König, Minister, General, Brudermeister eher Verpflichtung als für den Fahnen Adjutanten, aber irgendwann ist jeder mal dran. Rechnet man mal nur das Offizierskorps mit Begleitung sind das jedes Mal ca. 50,00 Euro, plus das was man selber verzehrt. So kommen für einen schönen Schützentag an dem man es sich mal gut gehen lässt schnell 100,00 Euro zusammen. Dies ist auch wichtig zu wissen, wenn man sich einmal vertreten lassen muss. Es gehört sich ein „Scheinchen“ in der Uniform zu lassen, damit der Schützenbruder der einen vertritt neben der „Arbeit“ nicht auch noch einen finanziellen Schaden hat. Weitere Ausgaben die auf einen zukommen können hängen vom Posten ab.
König, Minister und Major nebst seinem Adjutanten Reiten beim Maienreiten. Beim Galaumzug benötigt das Königshaus Kutschen und der General nebst Adjutanten sowie der Major mit Adjutant reiten ebenfalls. Neben den Kosten für die Pferde sollte man also auch über Reitkenntnisse verfügen.
Wie oben schon erwähnt benötigt man eine Kränzergemeinschaft und ein Domizil in Voesch wo gekränzt werden kann. Als Richtwert für einen Offiziersposten würde ich im Durchschnitt für die vier Jahre dauernde Amtszeit im Durchschnitt ein gutes Monatsgehalt veranschlagen.

Die Offiziersposten im Einzelnen
Der General:

Der General ist der höchste Dienstrang aller Offiziere und wird von 2 Adjutanten begleitet.
Die Aufgabe des Generals ist es, den König und die Minister zu führen, er ist das einzige Bindeglied zwischen Thron und Offizieren, er nimmt die Meldungen des Major entgegen und gibt sie an das Königshaus weiter und umgekehrt. Offiziell hat kein Offizier den König oder seine Minister zu „belästigen“ und da der König keine direkten Befehle erteilt, sondern quasi nur Wünsche äußert, übernimmt diese Aufgabe der General. Eine weitere Besonderheit, ist das beim Umzug mit Damen neben dem König auch er die Dame am linken Arm führt, da auch er in der Parade grüßen muss. Dies folgt aus der Regel, das die Offiziere in Begleitung ihrer Damen nicht den Degen zur Parade ziehen. Deswegen grüßt stellvertretenden für die Offiziere der General am Hut und dies geschieht nun mal mit der rechten Hand also muss die Dame links laufen. Der Posten General steht üblicherweise dem ehemaligen König zu, was auch Sinn macht, da er aus eigener Erfahrung weiß, was zu tun ist und kann dadurch dem Königshaus eine große Hilfe in allen Lagen sein.

Der Major
Der Major ist Kommandant des Offizierskorps und Koordiniert die Auftritte.
Er ist zuständig für Streckenführung beim eigenen Schützenfest und führt zu Pferd (reiterliches Können muss vorhanden sein) zusammen mit seinem Adjutant die Umzüge. Als Major benötigt man Fingerspitzengefühl und eine besondere Persönlichkeit. Nur wer von den anderen Schützenbrüdern geachtet wird, kann diesen Posten ausführen. Schnell hat man seine Befehlsgewalt überschritten, aber es gilt ebenso für Ordnung zu sorgen und Tacheles zu reden. Wirklich ein Job mit Herausforderung. Hinzu kommt, dass man in der Öffentlichkeit wie wohl kein anderer Posten durch die Kommandos im Mittelpunkt steht – da ist mal ganz schnell in der Aufregung das falsche Kommando befohlen - sehr zur Freude aller anderen. Einen Vorteil hat so ein Fehler, die fällige Runde muss man nicht wie sonst selber ansagen. Der Major ist ständiger Vertreter im Vorstand und im Festausschuss für die Planung des Schützenfestes.

Der Fähnrich:
Der Fähnrich trägt, das ist wohl keine Überraschung, die Fahne des Bruderschaft, welche neben dem Königssilber das „Heiligtum“ der Bruderschaft ist. Aus diesem Grund, ist die Fahne auch nur dem König unterstellt und bildet quasi eine eigene kleine Einheit. Ausser den Formalbefehlen, hat der Fähnrich nur Anweisungen vom König zu erhalten und zu befolgen. Ihm stehen zum Schutz der Fahne und sich selber zwei mit Degen bewaffnete Adjutanten zur Seite, da der Fähnrich selber nicht bewaffnet ist. Die Fahne hat außer ihm und seinen Adjutanten keiner zu berühren. Es gab schon Schützenbrüder die sich einiges anhören durften bei dem Versuch, obwohl sie eigentlich nur helfen wollten. Als besonderes Zeichen oder aus Verbundenheit, wird die Fahne bei fremden Schützenfesten auf dem Thron ausgestellt. Dies bezeugt die Anwesenheit der Bruderschaft an diesem Tag und kann einmal platziert dort auch nicht vor dem offiziellen Akt das sogenannte „Rausspielen“ wieder entfernt werden. Der Tag eines Schützen endet nicht um 0:00 Uhr, sondern eben erst, wenn die Fahne nicht mehr vor Ort ist. Strenggenommen hat zumindest das Offizierskorps bis dahin vor Ort zu sein. Leider ist dies inzwischen nichtmehr üblich. Es wäre schön, wenn dieser Brauch wieder Aufleben würde.
Früher war der Fähnrich auch verantwortlicher des Arbeitskommandos. Er hat für Werkzeug, Material und Getränke zu sorgen, wann immer es gilt etwas auf oder abzubauen. In dieser Funktion ist er deswegen auch Mitglied im Vorstand. Diese Funktion hat heutzutage der Platzwart übernommen, dessen Posten nicht an einen Rang gebunden ist.

Der Hauptmann:
Der Hauptmann ist – wenn der Major zu Pferd unterwegs ist, der Oberkommandierende der verbleibenden Offiziere. Außerdem gehört es zu seinen Aufgaben, das Fahnenkommando beim „Rausspielen der Fahne“ anzuführen. Hat also der Fähnrich entschieden die Fahne auf den Thron der gastgebenden Bruderschaft zu stellen, ist es für den Hauptmann Pflicht ebenfalls bis zum Rausspielen anwesend zu sein. Natürlich spricht man sich vorher ab und stößt niemanden vor den Kopf in dem man ihn vor vollendete Tatsachen stellt.

Der Stabsarzt
Ein Posten mit besonderen Befugnissen, denn der Stabsarzt kann entgegen jedem Vorgesetzen sein Recht als Fachoffizier geltend Machen, in dem er Schützen vom Dienst befreit. Dies kommt erstaunlicherweise nur beim eigenen Schützenfest vor, dort wird der arme, kranke Schütze umgehend auf den Lazarettkarren „verladen“ und meist mit reichlich „Hustensaft“ behandelt. In der Regel geht es dem Schützen anschließend schlechter als vorher – manchmal darf man an der Kompetenz des Stabsarztes und seinem Sanitäter wirklich zweifeln, obwohl sie immer fleißig bei der Sache sind.

Der Leutnant
Eine spannende Aufgabe mit Verantwortung.
Der Leutnant ist entgegen der Ansicht mancher nicht der persönliche Helfer der Königin und hat als solcher Botengänge zu erledigen, sondern ist einzig und alleine für die Sicherheit der Königin verantwortlich. Hat die Königin einen Wunsch, teilt sie dies dem General mit, der dann entsprechende Schritte einleitet. Der Leutnant weicht der Königin nie von der Seite. Solange er bei ihr ist, hat keiner das Recht die Königin zu entführen. Kommt die Königin dennoch abhanden, ist es seine Aufgabe den Preis für ihre Freilassung zu verhandeln. Dies bewegt sich im Rahmen von ein paar Bier bis zu Kameradschaftsabenden, je nachdem in welcher Situation die Königin wegkommt. Heutzutage verzichtet man richtigerweise auf eine richtige Entführung, wie es früher üblich war, da sich dann das ganze Offizierskorps zum Teil schon alkoholisiert in die Autos gesetzt hat um die Königin zu finden. Noch dazu ist ein leerer Thron, insbesondere ohne Königin nicht sehr nett anzusehen für die Gäste.

Der Spieß
Der Spieß in unserer Schützenbruderschaft stellt zwar den kleinsten Posten vom Rang her da – ähnlich eines Unteroffiziers bei der Bundeswehr, hat aber dennoch ein paar Aufgaben, die nicht so einfach zu bewerkstelligen sind und besondere Anforderungen an den träger dieser Uniform stellen.

Zunächst einmal ist er der kommandierende der Grünen – eine nicht immer einfach zu handhabenden Gruppe von Schützen, wenn er den typischen „Spieß“ also die Mutter der Kompanie darstellen will. Sie besteht aus Neulingen, die kaum Erfahrung haben, wie man sich in Uniform zu benehmen hat, bis zu Schützenbrüdern, die schon alle Posten einschließlich König hinter sich haben. Beide lassen sich oft nichts „Kommandieren“. Dennoch lohnt es sich seine Grenzen zu testen, denn gerade um den Posten „Spieß“, entstehen oft die lustigsten Anekdoten. Hier gilt es, das richtige Fingerspitzengefühl zu entwickeln – es nützt keinem, wenn man seinen Befehl durchsetzt auf kosten der guten Kameradschaft. Umgekehrt, muss man auch mal etwas über sich ergehen lassen, wenn man eine Uniform anzieht spielt man eben seine Rolle.

Der Spieß führt abgesehen davon das er das Gewehr über/ab Kommando bei Runden zu geben hat, ein entspanntes Offiziersleben. Es sei denn, wir haben selber Schützenfest, dann ist es schnell dahin mit der Ruhe und auch feiern bis in die Puppen ist eher nicht förderlich.
Los geht es für den Spieß schon am Sonntag in aller Herrgottsfrühe, da ist es seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass alle ehrenwerten Offiziere und das Königshaus geweckt werden. Zu diesem Zweck fährt er die einzelnen Posten in Begleitung des Trommlerchors ab und lässt dort ein Ständchen spielen. Der Tross darf erst weiterziehen, wenn sichergestellt ist, dass der König/Minister oder Offizier wach – also „geweckt“ ist. Befehlsbereit – sprich Hut und Degen am Mann ist ebenfalls gefordert. Es soll dazu gekommen sein, dass der Spieß bei ganz hartnäckigen Fällen die Musiker hat absitzen lassen und das Wecken unmittelbar am Bett der bedauernswerten Person hat fortsetzen lassen… ein Spaß für die ganze Familie und das Trommlerchor… und „sehr erfrischend“ für den zu weckenden.

Der Spieß führt ein sogenanntes Spießbuch, eine dicke Rote Kladde, in die er alles einträgt was im auffällt oder besser gesagt während des Schützenfestes missfällt. Gerne auch sehr theatralisch, werden dort möglichst publikumswirksam Vergehen der Schützenbrüder notiert. Siehe auch Kirmesmännchen begraben. Seinen ganz speziellen Tag hat der Spieß beim Offiziersrundgang, für einen Tag herrscht verkehrte Welt und der Spieß hat das Sagen über alle Offiziere und das Königshaus. An diesem Tag kann er mal richtig „die Sau“ rauslassen und die Offiziere nach Herzenslust rumkommandieren – da hat es schon alles gegeben: Rüben schuffeln, Anhänger ziehen, im Maiengeschirr um den Tisch laufen usw. Aber! Der Tag endet um 0:00 Uhr und der Spieß tut gut daran kurz vorher zu verschwinden, denn dann haben die Offiziere wieder das Sagen und werden gerne den ganzen Tag mit dem Spieß noch einmal nachspielen, getreu dem Motto wer austeilt muss auch einstecken können.

Gleich am nächsten Tag – dem Dorfabend, kommt es zu einem weitern Auftritt, diesmal im Schützenzelt beim Dorfabend. Das Offizierskorps geht geschlossen mit seinem König zum Essen. Auf dem nun unbewachten Thron findet das sogenannte Königstisch räubern statt. Das Startzeichen dazu gibt der Spieß und er hat auch die Befehlsgewalt über die Grünen, die nun den Thron plündern. Leider lässt die Disziplin aufgrund des getrunkenen Weines immer mehr nach, bis es schließlich zur Revolte kommt, dessen Opfer der Spieß ist. Nicht selten blieb er gefesselt zurück wenn der König mit seinem Gefolge wiederkehrt – sehr zur Freude der Grünen und der anwesenden Gäste im Zelt.

Seinen letzten auftritt hat der Spieß beim Kirmesmännchen begraben, allerdings hat er da seine Blaue Preußenuniform gegen ein Priestergewand getauscht und trägt die Sünden der Schützen vor, die er sich in seinem Buch notiert hat. Die von ihm festgelegten Strafen hat jeder umgehend zu entrichten und werden anschließend gemeinsam vertrunken.
Wie man sieht ist der Posten Spieß sehr anspruchsvoll und abwechslungsreich und auch kein Posten, den jeder einfach so ausfüllen kann.

Die Adjutanten
Die Position des Generaladjutanten ist normalerweise den Ministern vorbehalten. Dies muss nicht so sein, ist aber üblich, da ja der ehemalige König den Posten General einnimmt und oft wollen diese Leute auch weiterhin zusammen auftreten. Eine besondere Aufgabe wird an diesen Posten nicht gestellt.

Den idealen Einstieg in das Offizierskorps bietet der Posten des Fahnenadjutanten. Wenig Verantwortung, keine komplizierten Uniform, meist mit dem Fähnrich einen erfahrenen Offizier dabei, der einem Tipps geben kann und reiten muss man auch nicht. Das Kränzen fällt ebenfalls nicht sonderlich ausgefallen aus, so das insgesamt die Kosten überschaubar bleiben und man ist trotzdem hautnah dabei.

Den wohl anspruchsvollsten Adjutanten stellt der Major Adjutant dar. Hier sind gute Reitkenntnisse absolutes muss, denn der sogenannte Meldereiter hat seine Aufgabe darin voran zu reiten und Meldung zu machen. Zunächst beim Vogelschießen, ist es seine Aufgabe zum neuen Königshaus zu reiten und die frohe Kunde zu überbringen. Während des Maienreitens ist es seine Aufgabe dem Zug voraus zu reiten und den nahenden Zug zu melden. Ist dies geschehen, muss er wieder zurück und dem Major die Bereitschaft melden. Das können keine Schützen machen, die mit dem Pferd geführt werden müssen oder ein paar Reitstunden hatten. Gibt der Major eine Runde aus, ist es seine Aufgabe diese anzusagen.

Förderer

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